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Mobile Payment könnte so einfach sein!

Wenn da nicht ein klitzekleines Problem wäre! XD

Nun, aber erstmal ein paar Hintergrundinfos. Denn das Thema „wie bezahle ich“ ist groß und um alles Wichtige abzuhandeln, reicht hier der Platz nicht aus, daher fasse ich kurz mal zusammen.

  • 2018 stieg der Umsatz über kartengestütztes Bezahlen erstmals über den Bargeldumsatz.
  • 2019 wurden 224,6 Mrd. Euro über Kartenzahlung umgesetzt dies entspricht einem Anteil von 50,5 % am gesamten Einzelhandelsumsatz (445 Mrd. Euro). (Quelle: https://www.handelsdaten.de/handelsthemen/zahlungssysteme)
  • 2019 wurden mit dem girocard-System 149,5 Mrd. Euro umgesetzt bzw. 66,6%, die Kreditkarte kommt lediglich auf 7,6%.

Die wichtigsten Zahlungsmethoden Im E-Commerce, in Deutschland (2019)

  • Kauf auf Rechnung mit 32,8%
  • PayPal mit 20,2%
  • Lastschrift mit 18,3%
  • Kreditkarten 10,5%
  • Finanzierung / Ratenkauf 3,9%
  • Überweisung / Vorkasse 3,9%
  • Zahlung bei Abholung 3,1%
  • Sofortüberweisung 1,8%
  • Amazon Pay: 1,2%
  • Nachname 1,1%
  • der Rest mit 3,2%

(Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/224827/umfrage/marktanteile-von-zahlungsverfahren-beim-online-handel/)

Der E-Commerce Anteil am Umsatz des Einzelhandels belief sich in Deutschland 2019 auf 11%. Das sind laut Statista 59,2 Milliarden Euro zu einem Gesamthandelsumsatz im EH von 445 Mrd. Euro.
Ja, die Zahlen weichen hier ab, denn jede Erhebung von Daten und Statistiken wir aus dem Blickwinkel desjenigen betrachtet, der diese erheben lässt und ist daher selten vollständig in der Betrachtung. Aber ausreichend für die folgende Interpretation.

Interpretation:

Auch ohne Corona, war hier schon abzusehen, welche die wichtigsten Zahlungsmethoden in Deutschland sind und wohin sich der Trend entwickeln wird.

  • Das kartengestützte Bezahlen via girocard-Systeme wächst weiter an
    • Der Erfolg des girocard-Systems liegt ganz klar an seiner hohen Verbreitung im Einzelhandel und den damit verfügbaren Terminals.
  • Zahlen mit Bargeld nimmt weiter ab
    • Aber: 72,9 % aller Transaktionen waren 2019 in Bar!
    • Bargeld ist also in Deutschland (noch) nicht wegzudenken
  • Online bezahlt der Deutsche am liebsten auf Rechnung oder per PayPal, gefolgt vom Lastschriftverfahren.
    • Kreditkarten spielen auch hier eher eine untergeordnete Rolle und werden erst für den Verkauf von Produkten außerhalb Deutschlands relevant. Außerdem sorgen die steigenden Sicherheitsanforderungen hier für einen aufwendigeren Check-Out im Kaufprozess (PSD2 und 3DS).
    • PayPal erfreut sich einer extremen Beliebtheit, auch wenn die Gebühren dabei nicht zu vernachlässigen sind.
    • PayPal konnte als einziger der Top 4 Zahlungsmethoden eine Anstieg in 2019 verbuchen.
    • Kauf auf Rechnung, des Deutschen liebstes Kind.
  • Corona wird hier für ein stärkeres Wachstum der Karten-Zahlung und der Online-Zahlmethoden, sorgen.
    • Umsatz PayPal in 2020 geschätzt (PayPal selbst) 20% über 2019.

Der Fokus liegt also ganz eindeutig auf folgenden Themen:

Bereich Zahlungsmethoden Offline:

  • Bargeld
  • girocard-Systeme

Bereich Zahlungsmethoden Online:

  • PayPal
  • Kauf auf Rechnung
  • Lastschrift
  • wobei die letzteren beiden weiter an Anteilen verlieren.

Der Blick über den Tellerrand

China

Die digitalen Zahlungsplattformen WePay, von der Super-App WeChat (Tencent) und Alipay, von Alibaba (Ant Financial Services Gruppe), dominieren den chinesischen Markt. Zusammen bedienen WePay und Alipay 1 Milliarde Kunden! Alipay 54% Marktanteil und WePay 37%, kleinere Bezahldienste bestreiten den Rest.
Alipay ist seit Januar 2019 bei der Finanzaufsicht in Luxemburg als sogenanntes E-Geld-Institut registriert und inzwischen auf dem europäischen Markt verfügbar.

Alipay ist vergleichbar mit amazon, WeChat mit einer Mischung aus Whatsapp und dem was Facebook vielleicht noch werden wird.
Die Beiden sind insgesamt für 90% aller Zahlungen innerhalb Chinas verantwortlich!

Bei einer Internet-Bestellung muss man die Zahlung am Handy bestätigen und schon wird das Geld transferiert. Bei einer Zahlung im Handel muss man einen Code scannen oder den eigenen scannen lassen. Schon wird die Zahlung durchgeführt. Das ist nicht nur sehr praktisch, sondern dauert auch nur wenige Sekunden.

Aus dem westlichen Blickwinkel sind Beide, insbesondere was das Thema Datenschutz anbelangt, als extrem kritisch zu bewerten. Aus chinesischer Sicht sieht das allerdings anders aus, was sich in der extrem hohen Nutzerzahl widerspiegelt.

Kurzum, das Smartphone ist das wichtigste Zahlungsinstrument in China, egal ob mit der App von Alipay oder WeChat.

Payment in Afrika

In Afrika ist es eher schwierig an Bargeld heranzukommen. Es gibt einfach zu wenig Geldautomaten und die meisten Afrikaner verfügen nicht über das entsprechende Einkommen um ein Bankkonto überhaupt eröffnen zu können. Daher entwickelte sich hier eine Reihe an mobilen Transaktionssystemen. Dafür arbeiten Banken mit Telekommunikationsanbietern zusammen.

Das kenianische M-Pesa ist eines der erfolgreichsten mobilen Bezahlmodelle.
M-Pesa ist ein Dienst der Vodafone-Tochter Safaricom und ermöglicht den Transfer von Geldbeträgen via SMS ohne Bankkonto. Ja, via SMS, denn in Afrika gibt es wenige Smartphones, wie wir sie kennen, dafür vermehrt die etwas älteren Modelle. Das Geld wird bei sog. M-Pesa-Agents ein- oder ausgezahlt.
Verfügbar ist M-Pesa in 10 afrikanischen Ländern mit über 33 Millionen Kunden. Auch hier gab es ein Problem mit dem Datenschutz wie ein Skandal in 2019 aufzeigte.

Payment in Dänemark

85% der Dänen besitzen die nationale Debitkarte „Dankort“. Wer diese nicht nutzt zahlt über eine Bezahl-App, in diesem Fall meistens die App Mobile Pay. 50% der Dänen haben diese bereits auf ihrem Smartphone aktiviert. Auch hier lässt sich Geld innerhalb von Sekunden transferieren. Geschützt via Pin lassen sich hier einfach Geldbeträge von Bankkonto zu Bankkonto übertragen. Dabei sind keine weiteren Daten der Nutzer notwendig.

Auch in Finnland ist Mobile Pay bereits Marktführer.

Payment in Schweden

Auch hier bezahlt man entweder mit Karte oder mobile mit der App Swish.

Payment in Australien

Auch hier heißte es Kreditkarte und / oder Mobiles Payment. Das landesweite Transaktionsvolumen ist mittlerweile mit umgerechnet gut 1,4 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland, obwohl Australien nur ein Viertel der Einwohnerzahl hat. Beim kontaktlosen Zahlen per NFC-Technologie ist das Land ebenfalls Vorreiter.

Payment in Amerika

Transaktionsvolumen über mobile Payments über 70 Milliarden!
Google Wallet, Apple Pay, Visa paywave und MasterCard contactless sind in Amerika selbstverständlich.

Zwischenbilanz

All diese Länder haben eines gemeinsam, die mobilen Zahlungssysteme wurden dort schon vor über 10 Jahren eingeführt. Bis auf Afrika und China, die das Thema Kreditkarte komplett übersprungen haben, liegt der Focus auf dem mobile Payment in Kombinantion mit Kreditkarten.
Und, das Wichtigste, alle Länder bis auf Finnland, haben eine eigene mobile Zahlungsmethode entwickelt.

Setzt man das mal mit Deutschland in Relation, können wir sagen, ja, Kreditkarten haben wir, das girocard-System, mobil schaut es allerdings schlecht aus. Nicht in Hinsicht der Vielfalt an mobilen Zahlungsmethoden, sondern in Puncto Eigenständigkeit.

Payment in Deutschland

Da gibt es z.B. die „Mobile Wallet Collaboration“, bestehend aus Alipay, Bluecode (Deutschland), ePassi (Finnland), MOMO Pocket (Spanien), Pivo (Finnland) und Vipps (Norwegen). Diese Allianz will sich unter anderem gegen Google Pay und Apple Pay stehen. Zusammen kommen sie auf 5 Millionen Nutzer ind den genannten Ländern. Wobei Google und Apple hier wohl nur darüber lachen dürften!

Die App „Mobiles Bezahlen“ von der Sparkasse, sowie den Volksbanken und Raiffeisenbanken.

Auch hier führte die Sparkasse Gespräche mit Apple Pay, Google Pay und PayPal.

Aber die Zahlungssysteme sind nicht so einfach kompatibel. Bis Ende 2019 wurden in dieser App ca. 500.000 Karten hinterlegt. Wobei ein User bis zu 10 Karten hinterlegen kann! So registrierte der DSGV im Mai 2020 knapp 800.000 Transaktionen per Bezahl-App. Das ist ein klares Plus gegenüber Februar und März, als es gut 470.000 sowie 571.000 Transaktionen waren. Aber es ist verschwindend gering im Vergleich zu den Girocard-Transaktionen der Sparkassen insgesamt: Sie lagen im März bei 206 Millionen.
Eines der größten Mankos ist die Usability, denn ab einem Betrag von über 25.- € mußte ein PIN eingegeben werden. Daher wurde auch der PIN-freie Betrag von 25 € auf 50 € angehoben. Das neue Limit von 50 Euro ergibt sich aus der zweiten EU-Zahlungsdiensterichtlinie, PSD2. Darin ist außerdem festgelegt, dass maximal fünf kontaktlose Zahlungen ohne PIN-Eingaben nacheinander ausgeführt werden dürfen und der kumulierte Betrag dieser Zahlungen bei maximal 150 Euro liegen darf.

Und viele weitere Kooperationen wie z.B. Payback Pay, der gleichnamigen American Express-Tochter. Sie geben ein Lastschrift-Konto in Ihrer Payback-App an und verifizieren die Anmeldung mit einer PIN, die Ihnen in Form einer Abbuchung von einem Cent „übermittelt“ wird. Danach können Sie mit Payback Pay über einen QR-Code bzw. per NFC bezahlen.
Möglich ist die Lösung von Payback allerdings wieder nur bei ausgewählten Händlern.

Dazu kommen noch eine weitere Ladung an „Insel-Lösungen“, also geschlossenen Systemen, die nur an einen Dienstleister gebunden sind, wie z.B. Netto und Lidl.

Wobei Lidl hier mit seiner App Lidl Plus und seinem Zahlungssystem Lidl Pay am interessantesten ist. Da es in allen Lidl Filialen nutzbar werden soll und laut Lidl im Dezember 2019 bereits 4 Millionen User angebunden hatte.
Damit ist Lidl Pay jetzt schon erfolgreicher als die Apps der Sparkasse und VR-Banken zusammen.

Und dann gibt es da natürlich noch die Platzhirsche der westlichen Hemisphäre Google Pay, Amazon Pay und Paypal, sowie viele kleinere Dienste von Klarna bis hin zu den diversen Bitcoins. Die meisten sollten aber, zwangsweise, bekannt sein, daher gehe ich hier nicht weiter darauf ein.

Interessant ist noch der Facebook Libra, eine Art Bitcoin, der über ein Konsortium von 30 Unternehmen kontrolliert werden soll, anstatt über die breite Öffentlichkeit. Die Idee zum Libra geht auf die Erschließung des afrikanischen Marktes zurück. Wie Eingangs beschreiben, gibt es da kaum Bankkonten, daher soll der Libra eine mögliche Alternative darstellen.

Kurzum, es gibt in Deutschland nichts Vergleichbares zu den Platzhirschen in den anderen Ländern.

Stellt sich die große Frage nach dem „Warum“?

Anhand der Länderbeispiele lässt sich das „Warum“ erkennen.
Einfach formuliert, es braucht einen wichtigen Grund für die mobilen Zahlungssysteme.

  • In Afrika wurde der M-Pesa aus der Not heraus geboren und bot eine dringend benötigte Lösung für Zahlungssysteme generell.
  • In China wirkt das „Wirtschaftswunder“, wodurch alles neue, digitale, von der Bevölkerung aufgesogen wird. Auch löst China damit das Kontenproblem in den ländlichen Regionen.
  • So lässt sich für jedes Land ein Grund finden, außer für Deutschland!

Die Deutschen haben schlichtweg keinen Grund ein mobiles Zahlungssystem zu nutzen.

Das zeigt sich drastisch an den Produkten der VR-Banken und Sparkasse. Für den Nutzer ist es lediglich nur ein weiteres Zahlungsmittel und derer gibt es in Deutschland viele. Außerdem muß man auch leider immer dazu sagen, wer in den Wettbewerb zu PayPal treten will, sollte einen Mehrwert bieten, der stärker ist als der von PayPal oder zumindest vergleichbar!

Was ist der Mehrwert oder der Grund sich für das mobile Payment der Banken zu entscheiden?

Im Vergleich zu den Anbietern am deutschen Markt gibt es aktuell keinen Grund dieses Produkt zu nutzen.

Wie kann ein mobiles Zahlungssystem in Deutschland trotzdem funktionieren?

Die Notwendigkeit eines Grundes zeigt die Lidl Plus App mit Lidl pay. Anders als das mobile Zahlungssystem der Banken kommt Lidl Plus als App daher, mit dem klaren Fokus auf eine Kundenkarte mit Bonussystem, exklusiven Preisvorteilen und Gewinnspielen… Hier hat der Nutzer einen klaren Mehrwert, auch wenn dieser, aktuell, nur im geschlossenen System von Lidl, genutzt werden kann. Nutzer die sich für Lidl pay registrieren, erhalten eine Willkommensbonus von 30.- €. Bezahlt wird in Deutschland ähnlich wie bei PayPal, via Lastschriftverfahren.

Ausnahmsweise mache ich hier mal Werbung für Lidl, denn dort hat man es verstanden, der Nutzen des Kunden steht klar im Vordergrund. Es gibt Alleinstellungsmerkmale und dahinter steht eine Marke mit einem weitverbreiteten Netzwerk. Damit hat der Kunde einen guten Grund sich die App und das Payment zu installieren.

Payment könnte so einfach sein!

  1. Payment ist in Deutschland nicht das Produkt, sondern lediglich eine Funktion.
  2. Ein Mehrwert oder Grund muß vorhanden sein, der den Nutzer überzeugt.
  3. Flächendeckende Kooperationen mit Bonussystemen etc. erleichtern den Markteinstieg, bzw. den Kundenzugang. Dies könnten Telekommunikationsanbieter oder große Ketten sein, von Aldi bis Mediamarkt etc.
  4. Der Kunde steht im Vordergrund nicht das Payment
  5. Keep it simple and stupid. Das Bezahlsystem muß mindestens so einfach sein wie PayPal. Paypal besitzt z.B. die Funktion, das Konto mit Geld aufzuladen. Damit könnte man einfach den PIN-freien Höchstbetrag der hiesigen Systeme aushebeln.
  6. Bezahlen ist ein negativer Aspekt, daher muß dieser positiv aufgeladen werden.

Wenn Ihr Interesse an der Entwicklung eines solchen Systems habt, dann bin ich gerne mit am Start, denn meine Leidenschaft ist das Business Development und die Produktentwicklung.

Und wer jetzt denkt… “was weiß der schon von Banking!?” der hat natürlich Recht, ich bin kein Banker und genau das ist auch der Grund, ich habe eine komplett andere Perspektive.

Wolfram Daur



Titelbild: Photo by Christiann Koepke on Unsplash

Wolfram Daur

Wolfram Daur - Head of Online Marketing - Teamleiter und Online Marketing Spezialist. Zertifikate: E-Commerce Manager (SMA) | Master Leadership Performance A (BPA) | Online Marketing Manager (DPA) - Leidenschaften: Produktentwicklung, Design, Neuromarketing...