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11 Fragen aus 2020 für 2021!

2020 hinterlässt bei vielen eine Lücke, hervorgerufen durch die Corona Pandemie. Das Leben, wie wir es noch aus 2019 kannten, hat sich in 2020, einschneidend verändert.
Aber, der Mensch ist anpassungsfähig, das hat er schon immer bewiesen. Wir haben innerhalb eines Jahres neue Arbeitswelten geschaffen und unser soziales Leben angepasst, zum Guten wie auch zum Schlechten und wir haben viel gelernt.

Eine meiner tiefgreifendsten Erfahrungen dürfte wohl folgende sein: Vor der Pandemie war ich überzeugt, dass es keine Parteien oder Politik im herkömmlichen Sinne mehr benötigt um ein Land zu regieren. Ich hing der Idee nach, dass das Volk in der Lage wäre selbst über die Politik zu bestimmen und Entscheidungen über z.B. „liquide Voting“ zu treffen. Die Geschehnisse in 2020 bewiesen mir leider das Gegenteil, Impfgegner, Corona Leugner…  In bestimmten Situationen kommt es einfach zu einer „Schwarmdummheit“.
Hier fällt mir nur ein Zitat von Karl Marx ein „Die Masse ist dumm!“. Diese „Dummheit“ zeigt sich in der Bevölkerung unabhängig von sozialem Standard oder theoretischen Bildungshintergrund. Sie hat einfach verlernt das eigene Denkvermögen zu nutzen und einzusetzen. Getragen von Jahren des selbstverständlichen Wohlstandes, des Vorhandenseins einer sozialen Absicherung gab es keine Notwendigkeit sich mit der persönlichen Umgebung auseinander zu setzten.

Änderung der Arbeitswelt

Homeoffice

Wo auch immer möglich, gingen die Mitarbeiter ins Homeoffice. Bei uns im Verlag startete diese Phase im März 2020. Gerade in meiner Unit, dem Online Marketing, war dies keine besonders große Herausforderung. Wir sind eh schon extrem digital, ob wir nun von zu Hause arbeiten oder im Verlag, spielt für uns keine entscheidende Rolle. Mit einem Klick sind wir mit unseren Arbeitsplattformen verbunden, egal von wo, Hauptsache wir haben Internet! Unser Medienhaus ging sogar so weit, dass Mitarbeiter die PC-Systeme mit nach Hause nehmen konnten, soweit sie über keine eigene Technik verfügten. Nach 9 Monaten Homeoffice kann ich mit Sicherheit sagen, es funktioniert und überraschte damit auch viele Firmenchefs, die einen Kontrollverlust befürchteten, positiv.

Damit Homeoffice funktioniert, benötigt es nur ein paar Voraussetzungen:

  1. Die Technik – also die Einrichtung eines Arbeitsplatzes zu Hause, mit PC, Internet und Telefon, sowie die Einrichtung der benötigten Software.
  2. Die Kommunikation – Aufbau eines regelmäßigen Austauschs des Teams untereinander. Wobei hier das sehen und gesehen werden, eine extrem wichtige Rolle spielt.
  3. Klare Ziele setzen – Management – Im Homeoffice müssen Mitarbeitern regelmäßig Ziele gesetzt werden, am Besten in kleinen Häppchen, von Woche zu Woche. Denn der Austausch findet nicht mehr täglich statt, wie früher im Büro. Die Frage: „Kannst du mal kucken, ob das so passt?“ hatte ich in 2019 täglich mehrmals, im Homeoffice scheuen sich die Mitarbeiter vor ständigen Anrufen, die Hemmschwelle ist dort größer.

Direkte Folgen des Homeoffice für Arbeitnehmer

Für mich ist die unangenehmste Folge des Homeoffice, die Entfremdung und soziale Isolation. Durch Corona natürlich noch stärker, da auch die sozialen Kontakte nach der Arbeitszeit reduziert sind. Aber auf der Arbeit hatten wir als Team immer viel Spaß, wir haben gelacht, Witze gemacht und natürlich auch gelästert. Besonders spannend der tägliche Austausch zum Flurfunk. Wenn einen etwas ärgerte, konnte man sich direkt Luft verschaffen, Meinungen austauschen und die Perspektiven der Kollegen besser nachvollziehen. Diese Gespräche und die daraus resultierenden Informationen, können nicht durch ein Telefonat oder ein Zoom-Meeting ersetzt werden.  

Denn zu einem Team gehört mehr als nur Projektmanagement.

Während die Technik und entsprechende Kommunikationslösungen meist vorhanden sind, fehlt also eine Komponente, die soziale Ebene untereinander, das soziale Miteinander.

Folgen für Unternehmen

Unternehmen dürften sich mit einer elementaren Frage auseinandersetzen, der Kostenfrage.
Die meisten Firmen verfügen über große Standorte mit vielen Büros und Arbeitsplätzen. Sitzen die Arbeiter nun aber im Homeoffice, kann hier enorm gespart werden. Ich überspitze das jetzt mal am Beispiel unseres Medianhauses der SDZ. Ein riesiger Komplex mit 3 Stockwerken und über hundert Büros und Kantine. Was davon brauche ich in Zukunft wirklich und was davon kann ins Homeoffice „outgesourced“ werden?
Ich gehe mal davon aus, dass alles was nicht direkt an eine Produktion (Maschinen) gekoppelt ist, tatsächlich über das Homeoffice laufen kann. Ein Redakteur kann von zu Hause arbeiten und seine Artikel schreiben, ein Mediaberater ebenfalls, die Marketingleute sind eh unabhängig usw. Die Führungskräfte sollten in der Lage sein, sich selbst zu organisieren und ob die Chefsekretärin den Telefonanruf von zu Hause aus weiterleitet oder vom Büro, ist auch egal.
Es benötigt also zum Betrieb eines Verlages nur einen ganz winzigen „Core“, der tatsächlich noch zum Arbeitsplatz muß. Langfristig liegt hier ein enormes Sparpotential.

Indirekte Folgen von Homeoffice

Ich selbst bin oder war ein Pendler und bin täglich mit dem Zug von Ansbach nach Aalen auf die Arbeit gefahren. Mittags waren wir regelmäßig in der Stadt zum Mittagessen und auch wenn ich schnell etwas einkaufen mußte, erledigte ich das auf dem Weg. Seit Homeoffice und Corona, war ich (in 9 Monaten) viermal in Ansbach, den Rest besorge ich aus Discountern rund um meinen Wohnort oder via Online Shops. So wie mir, geht es vielen in Deutschland.

  1. Weniger Pendler
  2. Geringe Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel
  3. Die Auslastung des eigenen KFZ sinkt dramatisch
  4. Weniger Besucher in den Innenstädten
  5. Weniger Laufkundschaft für den stationären Handel

Aus- und Weiterbildung unter Homeoffice-Bedingungen

Bei uns im Verlag beinhaltet die Ausbildung eine Rotation durch die einzelnen Bereiche. Bedeutet, ein Azubi hospitiert für mehrere Wochen in jedem Fachbereich und erhält somit Einblicke in alle Themengebiete. Vor Corona war das auch immer relativ entspannt. Denn der Azubi saß meist in direkter „Griffbereitschaft“ und man konnte so direkt Aufgaben verteilen, erklären und kontrollieren.
doch wie funktioniert die Ausbildung eines Azubis von Homeoffice zu Homeoffice? Denn ich muß dem Azubi ja auch ermächtigen, seinen Job zu machen. Dafür gilt es Wissen zu vermitteln. Hier bin ich mal gespannt, denn der nächste Azubi ist bei mir bereits eingeplant.

Auch Weiterbildungen sind ein großes Thema. Gerade unter Corona, waren Präsenzveranstaltungen ausgeschlossen. In diesem Bereich gibt es allerdings schon die ersten großen Plattformen, die sich dem Thema e-Learning verschreiben haben und u.a. Online-Seminare anbieten.
Wie z.B. LinkedIn Learning, Facebook Campus, Squared Online mit Google, OMR, IT-Fitness Akademie von Microsoft sowie viele kleine e-Learning Plattformen.

Wichtig wird bei allem aber eins sein, „online only“, ohne Präsenzveranstaltungen lernen, mit einer digitalen Abschlussprüfung.

Änderung im privaten Umfeld

Die Änderungen im Arbeitsumfeld sowie Corona wirken sich natürlich auch auf das Privatleben aus. Denn wenn man nur noch zu Hause ist, dann will / muß man es dort auch gemütlich haben. Eine der extremsten Auswirkungen der Pandemie war das Thema „Baumarkt“ und „Garten“. Wer diese Keywords bei Google Trends eingibt wird den Zusammenhand schnell erkennen! Denn Mitte März 2020 stieg die Nachfrage enorm an, bis zu einem Faktor von x 4. Ähnliches lässt sich für Fitnessgeräte wie Hanteln oder Spielkonsolen darstellen. Rundum, alles was man zu Hause machen kann, wurde extrem nachgefragt, gerade und vor allem auch digitale, wie z.B. Streaming. Aber, das Corona-Jahr 2020 auch ein Jahr der Grillfreunde. Die Grillsaison startete mit dem Ersten Lockdown und klingt immer noch nach.

Doch auch im privaten Bereich gibt es, ähnlich wie im beruflichen Sektor, ein großes Problem, die fehlenden, realen, sozialen Kontakte. Laut statistischem Bundesamt lebten 2019 knapp 17,6 Millionen Menschen alleine, damit wird „Social Distancing“ zu einem noch stärkeren Problem.

Für Pärchen und Familien gibt es natürlich noch das Problem, dass man jetzt nur noch aufeinander hockt und kaum noch Rückzugsmöglichkeiten hat. Spannend dürften hier die Scheidungsstatistiken werden, diese liegen aber aktuell für 2020 noch nicht alle vor. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey hat sich die Scheidungsrate im Jahr 2020 durch die Pandemie aber verfünffacht!

  1. Die Wohnung / Haus / Garten wird zum Lebensmittelpunkt
  2. Freizeitaktivitäten beschränken sich auf die eigenen 4 Wände
  3. Weniger Bewegung
  4. Extrem hohe emotionale Familienbelastung
  5. Social Distancing

In 2021 wird man sich mit folgenden Fragen beschäftigen müssen:

  1. Bleibt Homeoffice auch nach Corona ein willkommenes Mittel?
  2. Wie stärkt man das „Wir-Gefühl“ der Mitarbeiter zum Unternehmen, trotz Distanz?
  3. Wie stärkt man die soziale Interaktion der Mitarbeiter untereinander, trotz Distanz?
  4. Wie schafft man es Aus- und Weiterbildungen digital stattfinden zu lassen?
  5. Wo sind die Potentiale zum Kosten sparen aufgrund Homeoffice, für Unternehmen?
  6. Braucht es überhaupt einen Unternehmensstandort und wenn ja, wie sieht dieser aus?
  7. Wie komme ich von A nach B?
  8. Brauche ich überhaupt ein Auto, wenn ja, was darf es kosten?
  9. Wie halte ich mich zu Hause fit? Geistig und körperlich!
  10. Familie 3.0 – 24/7 im Kreise der Liebsten!
  11. Was tun gegen „Social Distancing“?

Klar gibt es noch weitaus mehr Fragen, die es zu beantworten gilt, aber als Denkanstoß sollte das mal ausreichen.

2021 wird also definitiv nicht langweilig, denn die Lösung der oben gennannten Fragen kommt ja noch zu unserem Daily Business hinzu!

Ich bin mal gespannt, wer als erstes einen Lösungsansatz für „Social Distancing“ anbietet und wie dieser aussieht! Ich selbst habe hier schon ein paar Bilder im Kopf, gerade im beruflichen Bereich.

Nachtrag 11.01.2021:
Ein Angebot in die Richtung “Social Distancing” könnten die “Facebook Rooms” bieten. Messenger Rooms sind Gruppen-Videoanrufe, die es ermöglichen, ausgiebig Zeit mit Freunden und der Familie zu verbringen.

Aber das wird wohl ein Folgeartikel!

In diesem Sinne,

ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2021


Photo by Standsome Worklifestyle on Unsplash

Wolfram Daur

Wolfram Daur - Head of Online Marketing - Teamleiter und Online Marketing Spezialist. Zertifikate: E-Commerce Manager (SMA) | Master Leadership Performance A (BPA) | Online Marketing Manager (DPA) - Leidenschaften: Produktentwicklung, Design, Neuromarketing...